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Im Gegensatz zu seiner politischen Haltung, ist mir Bruce Springsteen und seine Musik, von einigen wenigen Songs einmal abgesehen, stets fremd geblieben. Die letzte Veröffentlichung der ich eine Chance gegeben habe, war „Rising“. Aber auch diese Scheibe war gelinde gesagt eher eine Enttäuschung, als eine Offenbarung.
An dieser Einschätzung hätte sich vermutlich auch auf Jahre nichts geändert, wenn ich nicht vor einigen Tagen zufällig im Deutschlandradio Kultur die CD-Vorstellung der „Seeger Sessions“ gehört und hiervon „angefixt“, mir die CD und DVD zugelegt hätte.
Bruce Springsteen covert Pete Seeger – „Ups“, dachte ich, dass kann nur schief gehen. Ist es aber nicht, denn man spürt unmittelbar mit den ersten Tönen, dass hier eine Herzensangelegenheit ihre Umsetzung erfährt. Abseits der allgegenwärtigen Veröffentlichungen, bei denen versucht wird auf der Grundlage von Folk-Musik-Klängen, versehen mit neuzeitlichem „Hintergrundgegniedel“, die Verkaufszahlen zu steigern, ist Springsteens Ansatz eine erfrischende Erneuerung des Folk ohne den Respekt vor den kompositorischen Leistungen eines Pete Seegers vermissen zu lassen.
U. a. mit Posaune, Fidel, Banjo und Schlagzeug zaubert er eine Mischung aus Folk, Cajun und New Orleans Jazz, die selbst „Party-Steher“ zu Tänzern mutieren lässt. Obzwar ich ein Freund der Folk-Musik bin, habe ich bei Klassikern wie „We shall overcome“ bislang eher Assoziationen an „Sit-Ins“ der 60´er Jahre (Gruppentherapie mit Sonnenblumenkernen, u.s.w.). Springsteens Version „rumpelt“ jedoch so wunderbar, dass man gerne dabei gewesen wäre. Ebenso die Traditionals (z. B. „Shenandoah“) – „Reste von gestern?“ - keineswegs, sondern Sehnsucht in Töne gegossen.
Die beiliegende DVD ist ebenso superb wie die Audio-CD und beglückt mit zahlreichen Extras.
Fazit: Keine Spur „angestaubt“, sondern mitreißend und faszinierend. Ein Kleinod zeitgenössischer Musik.
Gerhard Wenzel