Blue Moon
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Man muss „Blue Moon“ nicht bis zum Ende hören um festzustellen, dass es sich bei Peter Finger unzweifelhaft um eine „Inselbegabung“ handelt. Denn auch extremer Fleiß und Disziplin reichen vermutlich nicht aus, um eine solche Perfektion in spielerischer wie auch kompositorischer Hinsicht zu erlangen. Um mein musikalisches Weltbild im Lot zu halten, glaube ich nicht an kosmische Kräfte, sondern gehe eher davon aus, dass dieser Ausnahmegitarrist über einen „privilegierten Blick auf seine rechte Gehirnhälfte“ verfügt, um ein solches Album einspielen zu können.
Als medizinischer Laie sollte ich den Äskulapstab wohl doch besser beiseite stellen und mich stattdessen wieder auf die mir zugänglichen Erklärungsmuster für seine Musik beschränken.
Ich bin mir sicher, dass sich die „Gitarren-Heroen“ der Vergangenheit vor Neid im Grabe umdrehen würden, wenn sie eine Scheibe wie Blue Moon noch zu Gehör bekämen. (Also gleich auf Neu-Start drücken, damit sie alle wieder richtig liegen.) Spaß beiseite, die Musik von Peter Finger ist keine Glaubensfrage, sondern ein wahrer „Leckerbissen“ für Genießer.
Mit dem Klangkörper seines Instruments lässt Peter Finger den Hörer auf Blue Moon an einer intensiven Auseinandersetzung mit nahezu sämtlichen Stilrichtungen teilhaben. Scheinbar mühelos gelingt ihm der Wechsel von skizzenhaftem „zigeuner-jazz“, über transzendale Klänge bis hin zu rockigeren Rhythmen innerhalb eines Titels.
Gleich einem guten Theaterstück reißt der Spannungsbogen beim Hörer nie ab. Mit dem über -acht -Minuten -Titel Niemandsland hebt sich der „Vorhang“ und Finger „filetiert und würzt“ die nachfolgenden Titel und Themen mit der kompletten Bandbreite der menschlichen Empfindungen, die man in dieser Tiefe bereits längst verschüttet glaubte.
Jeder Ton wird wohl dosiert ins Ohr geträufelt und findet anschließend treffsicher sein „Epizentrum“ - im Kopf, wie auch im Herzen.
Aus diesen Gründen hört man „Blue Moon“ selbstverständlich bis zum Ende.
Gerhard Wenzel