Karl Tuschhoff
18.07.2006

Mark Knopfler & Emmylou Harris

All the Roadrunning

All the Roadrunning

Nicht nur im Alltag gibt es hin und wieder „unheilvolle Symbiosen“ (Bsp.: Colgate und Südzucker) - auch manch musikalischer Zusammenschluss hat in der Vergangenheit heftigste Zahnschmerzen bei mir verursacht. Denn häufig handelt es sich um einen „Kreativen-Hilferuf“, wenn eigenständige, respektable Künstler sich Kollaborationspartner ins Studio holen, wobei zumeist uralt Hits „verschlimmbessert“ werden (Bsp.: Cat Stevens und Ronan Keating - „Father And Son“).

Diese Grundskepsis begleitete mich auch bei „All The Roadrunning“ von Mark Knopfler & Emmylou Harris. Da mich jedoch die letzte Veröffentlichung von Mark Knopfler („Sailing to Philadelphia“) in Teilen überzeugt hat und auch Emmylou Harris nicht im Verdacht steht, aufkeimende Mittelmäßigkeit tarnen zu müssen, habe ich mir die Scheibe dann doch angehört. Und siehe da,….

…. es offenbarten sich mir „Melodie-Kreationen“, eingebettet im Spannungsfeld zwischen Folk und Country-Rock, die, von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen (Love and Happiness), das Ohr regelrecht umschmeicheln und aus dem Poesiealbum für Melancholiker stammen könnten. Mit "This is us " findet sich auch ein Song der Extraklasse auf diesem Album, der es allein schon wert ist, sich diese CD zu zulegen.

Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass sie neben die bewährte Gitarrenperformance von Knopfler und die engelsgleiche Stimme von Emmylou Harris, ein paar abwechslungsreichere Drums gestellt hätten. Die Rhythmik ist zum Teil dann doch etwas fade ausgefallen (Bum-Patsch, Bum-Patsch).

Insgesamt ist „All The Roadrunning“ zwar kein Meilenstein geworden, aber, wie immer bei Knopfler keine scharfkantige, sondern eine runde Angelegenheit, die durch die Verbindung mit Emmylou Harris einen echten Mehrwert im Plattenschrank darstellt.

Gerhard Wenzel