Seit Monaten bin ich nicht mehr dazu gekommen, meine Monatsfavoriten an dieser Stelle zu würdigen. Da ich jedoch im Netz eine Rezension über Ben Weaver´s „Stories under Nails“ gefunden habe, die ich treffender nicht hätte formulieren können, verzichte ich auf einen eigenen Beitrag und lasse dem „Kollegen“ den Vortritt.
Ben Weaver? Nie gehört, ist ein Newcomer beim sich zuletzt sehr erfreulich entwickelnden französischen Fargo-Label. Der Bursche (24, aus Minnesota) klingt aber eher wie ein ganz Alter und betreibt steinaltes Storytelling in tiefschwarzer Blues-Tradition. Jedoch nicht ganz und gar um historische Authentizität bedacht, sondern eher zeitgemäß gebrochen, wie dies in erster Linie Nick Cave einst vorgemacht hat. Sind soweit ich das der kargen Promoversion des Albums entnehmen kann auch eigene Songs, die Weaver mit sonor-knarziger Stimme und sehr ausgeruht darbietet. Begleiten lässt er sich von den allerschönsten Slide, Banjo- und Orgelklängen, was dann gerne an Nikki Sudden erinnert, der wie Bob Dylan klingen will, immer sehr abgeklärt, lakonisch und souverän. Oder eben an schwarzgewandtete Australier wie Crime & The City Solution oder These Immortal Souls, manchmal auch an den Tom Waits der „Frank’s Wild Years“-Phase oder Steve Earle mit Schlagseite. Kaum zu glauben, dass ein Debütalbum so klingen kann, am schönsten sind tatsächlich die über das ganze Album verteilten Slide-Licks, wie man das vor vielen Jahren von Rowland S. Howard kannte. In GB stieß „Stories Under Nails“ dann auch auf offene Ohren: Mojo und Uncut krönten es jeweils zum Album des Monats. (Joe Whirlypop)