Karl Tuschhoff
30.04.2007

Washington

Astral Sky

Gerhard Wenzel
Washington - Astral Sky

Veröffentlicht in

Melodie & Rhythmus Ausgabe 05/07:

Man könnte meinen, die drei norwegischen Ausnahmemusiker wären mit dem Finger über das Inhaltsverzeichnis eines Pop- und Rocklexikons gefahren und hätten sich dabei vorgenommen, die Meßlatte für mehrere Genres zum „Spaß“ etwas höher zu hängen. Für die meisten Bands würde eine solche Vorgehensweise zum „Tritt auf die Harke“ werden.

Nicht so für Washington, denn die musikalische Reichweite dieser drei norwegischen Ausnahmemusiker ist wahrlich enorm. Nicht allein die ausdrucksstarke Stimme von Sänger Rune Simonsen, die scheinbar mühelos jeden Stilwechsel trägt, sondern vor allem die kompositorische Kraft, die jedem einzelnen Song zugrunde liegt, ermöglichen den inneren Zusammenhalt von „Astral Sky“.

Neigt man zunächst noch zu der Annahme ein reines Popalbum in den Händen zu halten, so denkt man spätestens ab dem Titel „Vaults“ an einen vermeintlich absichtslosen Einbruch ins Rockgenre. Denn nach zarten Balladen lassen Washington plötzlich Gitarrenriffs von der Leine, die so scharf wie ein Flammenwerfer sind.

Zusätzlich angeheizt durch eine wuppernde Orgel bekommt die Sache einen Drive, wie man ihn seit Jahren nicht mehr gehört hat. Spätestens mit dem sich anschließenden „Kostümwechsel“ hin zu Calexico-ähnlichen Klängen ist der Punkt erreicht, der den Hörer endgültig unter Strom setzt. Bunt und spannend, immer wieder anders!

Fazit: Es Bedarf schon eines ästhetischen und musikalischen Eigensinns, um einen solchen Tonträger aus dem Proberaum heraus in die Öffentlichkeit zu kehren. Diese Eigenständigkeit ist aber gleichzeitig der Garant dafür, dass Washington sich musikalisch nicht auf Oberflächenreize reduzieren lassen.