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Veröffentlicht in Melodie & Rhythmus 05/08
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Nach ihrem großartigen Debüt „Tonight at the Arizona“ stand zu befürchten, dass das Nachfolgewerk „The Felice Brothers“ nur noch darunter durchlaufen könnte. Weit gefehlt, denn Simone, James und Ian Felice sowie Bruder/Freund Christmas scheinen in einer kreativen Schaffensphase zu sein, die sie nahezu mühelos einen Treffer nach dem nächsten landen lässt.
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Wenngleich der Gesang an Robert Zimmermann erinnert, pflegen „The Felice Brothers“ ein derart eigenständiges Profil, das etwaige Plagiatvorwürfe von vorneherein ins Leere laufen. In einer sonderbaren Mischung aus „Verandamusik im Landkommunenstil“ mit dem Gestus des „Outlaw-Country-Folk-Songs“ á la Willie Nelson, klingen ihre Songs stets nach Aufbruch und nicht nach Untergang.
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Durch ihre Vision des verwehten Dessertsongs, die sie mit Gitarre, Orgel, Akkordeon, Mundharmonika und Schlagzeug in Szene setzen, haben die Felice Brüder die Suche nach dem „Missing-Link“ zwischen den 60er Jahren und der Neuzeit in diesem Genre beendet. Gelegentlich finden sich auch rumpelige Bläsersätze und ein Barpiano ein, was dem Ganzen einen Hauch vom New Orleans mit einem Schuss Mystik verleiht.
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Empfehlenswert ist auch ein Blick auf ihre MySpace-Seite, auf der sich u.a. zahlreiche Videos begutachten lassen. Nicht nur in den Videos kommt ihre leicht clownesque Neigung zum Vorschein. Diese geistreich-verspielte, schelmische Ironie ist jedoch nicht mit einem Verlust an musikalischer Vielfalt und Kreativität erkauft, sondern ein echter Mehrwert für den Hörer und Betrachter.
Der einzige Makel, wenn man davon überhaupt sprechen kann, ist das etwas freudlos gestaltete Cover des selbstbetitelten Tonträgers. Zur Blütezeit der Vinyl-Langspielplatte pflegte man in solchen Fällen zu sagen: „Die Wahrheit liegt in der Rille“. So ist es, denn das Füllhorn genialer Ideen lenkt die Aufmerksamkeit schnell wieder auf das Wesentliche, nämlich diesen irrwitzigen Soundtrack musikalischer Urgewalt.
Es ist kaum vorstellbar, dass diese Brüdergang mit ihrem Sound und ihrer Performance nicht auch den Weg an die Spitze der „Musikbuiseness-Nahrungskette“ finden sollte. Die Felice Brothers sind zweifellos kein vergängliches Onetime-Projekt, sondern eine grandiose Combo, die sich anschickt, das Feld von hinten aufzurollen. Verdient haben sie es allemal!