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Nachdem er sein Debüt in einen alten Anrufbeantworter gesungen hat und dafür von der britischen Presse in den Messiahs-Status erhoben wurde, bewies der Singer-Songwriter in den drei Jahren danach, dass er die Vorschußlorbeeren verdient hatte. Mit seinem neuen Album Cripple Crow nun wischt er die letzten Zweifel vom Tisch und liefert ein 25-Track-und-75-Minuten-Opus ab, das man nur mit Meisterwerk beschreiben kann. Dazu steckt er seinen musikalischen Claim um einiges weiter als gewohnt und präsentiert ein Füllhorn an Ideen, die bei einem durchschnittlichen Songwriter für die ganze Karriere reichen würden.
Dazu hat er sich mit seiner Band in das geschichtsträchtige Bearsville Studio in Woodstock begeben, vor allem, weil er eine Umgebung aus Holz wollte. Diese Verbindung zur Natur lässt sich hier in jedem Ton heraushören, ganz egal ob es sich um 50-sekündige Song-Vignetten oder 6-minütige Epen handelt. Und gerade von letzteren gibt es einige, viele davon zart-brüchige Balladen, mal knappst instrumentiert, aber auch psychedelisch dicht angerichtet. Gerade zu letzteren passt die vibrierende, an Sal Valentino (Beau Brummels zu Triangel Zeiten) gemahnende Stimme.
Schon gleich der Opener Now That I Know setzt das erste Highlight und was dann passiert, dürfte an in sich geschlossener Vielfalt kaum zu übertreffen sein. Ganze 5 Songs singt er in seiner Heimatsprache spanisch, hin und wieder gibt er den 70s-Acid-Rocker (Long Haired Child), Hippie-Musik-Ausflüge inklusive Flöte und des Öfteren zeigt er sich als Spassvogel. Oder das, was der US-Amerikaner „goofy" nennt. Und was ich eigentlich schon immer gehasst habe, wie die Pest. Aber Devandra Banhart schafft es sogar, solche Schrägheiten wie I Feel Like A Child, The Beatles oder Chinese Children, die sich alle irgendwie anhören wie Punkversionen von Kinderliedern, positiv und zwingend rüberzubringen.
Der Mann hat etwas gewagt und alles gewonnen. Abgefahren, teilweise schlichtweg bizzarr und kauzig, aber auch verträumt versponnen. Immer auf extrem hohen Niveau. Sagenhaft!
Reinhard Holstein (Glitterhouse)
Kurzweilig kann man den Eindruck haben, Nick Drake gibt ein Gastspiel bei Velvet Underground. Dazu würde es jedoch noch ausladender „Fagott-Soli" bedürfen aber ansonsten passt die Sache.
Fazit: Nach langer Zeit wieder ein echtes „Psych-Folk-Album", das Spaß macht!
Gerhard Wenzel, Oktober 2005