Karl Tuschhoff

Du hast eine offene Tür gehabt und wir waren gerne bei dir.

Persönliche Gedanken für die Urnenbeisetzung am 19. März 2005

Karl auf Wiese

Uns alle hat der plötzliche Tod von Karl-Friedrich Tuschhoff erschreckt und traurig gemacht. Wir hatten keine Zeit, Abschied zu nehmen. Er fehlt uns. Wir hätten ihm gerne noch Vieles gesagt.

Deshalb sage ich Dir jetzt einiges, was ich (und vielleicht andere auch) Dir gerne noch mal von Angesicht zu Angesicht gesagt hätten.

Du warst immer ein gastfreundlicher Mensch. Du hast eine offene Tür gehabt und wir waren gerne bei dir. Wir haben vieles miteinander geteilt: Sorgen und Nöte, Fragen und Freude, Geschichten und Träume. Wir haben von der Utopie gesprochen, von dem neuen Land, in dem wir gerne leben wollten in Frieden. Wir haben mit dir gefeiert, haben bei Bier und Wein getanzt und gelacht, Jahre verlebt. Anekdoten und Erlebtes hatte seine Zeit, immer wieder gab es Sternstunden bei dir, wenn alle da waren und du mittendrin.

Karl mit Mann im Gespräch

Wer zu dir kam, der konnte auch in seine Vergangenheit reisen, denn du bist dir immer selbst treu geblieben, du wolltest den jugendlichen Übermut und die kindliche Sehnsucht nicht verlieren. Wolltest immer noch mal vom ungezwungenen freien Leben träumen und die Frage nach der Gerechtigkeit stellen, hast dich mit dem Lauf der Dinge nicht einfach nur zufrieden gegeben.

Bei dir hat jeder einen Platz gehabt. Du hast Frieden gewünscht, du hast ihn auch geschenkt. Du hast dir nicht immer einen leichten Weg gesucht, bist auch unbequeme Wege gegangen, wolltest aber nicht zur Last fallen, hast dich auch zurückgezogen, wolltest niemandem etwas schuldig bleiben. Hast gerne geholfen. Warst für andere da. Manchmal konntest du auch nicht aus deiner Haut heraus.

Du hast gerne gegeben und verschenkt: mindestens die Zeit, bei einer Zigarette und den alten Liedern, bei Tee und bei Schach. Bei dir haben Bob Dylan, Konstantin Wecker und viele andere ein Konzert gegeben, und wir waren dabei. Ich werde die Kratzer und das Klicken deines Plattenspielers in meinem Kopf immer wieder hören, und ich werde dich vor mir sehen und deine Bilder und alles werden mir im Gedächtnis bleiben.

Krug 80

Reisen war deine Leidenschaft. Du bist alten Wegen gefolgt und hast neue Spuren hinterlassen: Ob als König der Tramper mit deinem Schlafsack und der gelben Jutetasche oder mit Klaus in Afrika oder an einem anderen Ende der Welt. Neugierig warst du, hast Menschen im Adressbuch mitgebracht und ihnen deine Welt gezeigt. Du hast dich für sie interessiert, hast den Horizont immer wieder überschritten und neue Wege entdeckt und bist am Ende wieder zurückgekommen und hast deine Heimat anderen schmackhaft gemacht.

Deine letzte Reise hast du nun allein angetreten und uns zurückgelassen. In unserem Herzen behältst du einen Platz. Solange wir leben. Immer wieder werden wir von den guten alten Zeiten reden; von dem reden, was wir mit dir erlebt, geteilt und gelacht haben; und wir werden sagen: der Kalli hätte jetzt gesagt, der Kalli wäre jetzt gerne mit dabei ...

Du warst uns ein wahrer Freund, wir vermissen dich und sind doch glücklich, dass du ein Teil von uns bist und bleibst ... und die Erinnerung an Dich kann uns niemand mehr nehmen.