Karl Tuschhoff
25.02.2006

Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. Gen 12,2

Trauerpredigt

Karl und Ute

Liebe Familie,
liebe Freunde,
liebe Trauergemeinde,

als Karl-Friedrich Tuschhoff unter dem Segen Gottes aus dem Haus getragen wurde, bat mich ein Freund, folgendes Gebet zu lesen. Ein Teil des Gebetes erschien auf der Todesanzeige.

Habe ich je gesagt,
dass er ein Segen war für mein Leben?

Habe ich ihm genug gedankt
für die helle Spur, die er zeichnete in die Landschaft unserer Freundschaft?

Immer war ich willkommen in dem Haus, das immer offen war.

Er war da, er war begnadet
und hat es nicht gewußt.

Du warst ein Segen,
und hast es nicht gewußt.

Ich danke dir,
dass du bei uns warst.

Diese Worte geben Zeugnis davon, dass Karl-Friedrich Tuschhoff vielen Menschen ein lieber und geliebter Freund war.

Er hatte die Gabe, ein weites Netz von Freundschaften zu knüpfen und es zu pflegen und zu erhalten.

Viele verschiedene Menschen kehrten bei ihm ein: alt und jung, Freunde von nah und Freunde von fern, Menschen unterschiedlicher Couleur und Meinung.

Willkommen waren sie in seinem Haus, willkommen waren sie in seinem Herzen.

Äußeres und Inneres entsprachen sich bei ihm.

So war er für viele Menschen ein Segen.

Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.
Worte aus dem 1. Buch Mose (Gen).

Dazu ein Gedanke von Dietrich Bonhoeffer über das Glück, für andere Menschen ein Segen sein zu können, ausgesucht und gefunden von Ute Melcher zum Gedenken an Karl-Friedrich.

„Es gibt aber kaum ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann. Daher kommt es gar nicht auf die Zahl, sondern auf die Intensität an. Schließlich sind menschliche Beziehungen doch einfach das Wichtigste im Leben; daran kann auch der moderne 'Leistungsmensch' nichts ändern."
Dietrich Bonhoeffer, Brief aus der Haft 1944

Eine helle Lichtspur hat Karl-Friedrich Tuschhoff in die Landschaft seiner Freundschaften gezeichnet. Sein Tod hat die Lichtspur der Liebe nicht auslöschen können. Im Gegenteil.

Ihr warmes Licht leuchtete im Kreis der Menschen, die sich um den Toten versammelten, der in der Wohnung auf seinem Sofa gebettet lag. Ein letztes Mal suchten sie seine Nähe, bevor er aus dem Haus getragen wurde.

Ihr warmes Licht verbindet die Menschen, die um ihn trauern, zu herzlicher Gemeinschaft, in der tiefe Betroffenheit und Anteilnahme, Erschrecken und Tränen, liebevolles und lachendes Erinnern ihren Raum haben dürfen.

Auch in unserem Städtchen löst der frühe und plötzliche Tod von Karl-Friedrich Tuschhoff tiefe Betroffenheit und Anteilnahme aus. Ebenso, wie er Fragen aufwirft.

Was hatte er? Woran ist er gestorben?

Niemand weiß es genau.

Jedoch: zweierlei ist als Todesursache klar ausgeschlossen.

Karl-Friedrich Tuschhoff hat weder Hand an sich gelegt noch hat er Drogen konsumiert.

Er trug wohl eine Krankheit in sich, die zum Tode führte.

Schon die letzten Monate ging es ihm nicht gut.

Ihn trafen, gleich mehrfach, krisenhafte Umstände.

Er verlor auf dramatische Weise seine Sehfähigkeit, und es verging viel zu lange Zeit, bis die Beeinträchtigung endlich als Grauer Star erkannt und behandelt wurde.

Er verlor seine Arbeit.

Er verlor seine Gesundheit.

Karl-Friedrich wollte sich all dies nicht anmerken lassen. Dass er in keiner guten Verfassung war, war ihm jedoch anzusehen. Seine Familie und Freunde waren um ihn besorgt und bekümmert und rieten ihm, sich untersuchen zu lassen.

Karl-Friedrich Tuschhoff aber mied die Arztpraxen, solange es für ihn auszuhalten war.

Die schweren Eingriffe und Operationen, die er als Junge von gerade anderthalb Jahren durchstehen musste, haben ihm für sein Leben gereicht.

Obwohl ihm damals eine Niere entfernt wurde, hat er, hatte er, bis auf die letzten Monate, keine gesundheitlichen Probleme. Karl Friedrich lebte gut, und er lebte gut, weil er verstand zu leben.

Mit vielen Gaben war er gesegnet und er gab, womit er gesegnet war.

Karl und Dödel

Seine Küche war allseits geschätzt. Als Koch, ausgebildet im Dorint-Schloßhotel in Arolsen, wußte er, selbst wenn es nur wenige Zutaten gab, ein gutes Essen zu bereiten.

Er hatte Witz und Humor. Wo er war, gab es viel zu lachen. Auf viele Situation wußte er schlagfertig und geistvoll zu reagieren. So hatte es beispielsweise Karl-Friedrich nicht so sehr mit dem Computer und das world wide web schien ihn auch nicht allzusehr zu interessieren. Seine Bemerkung dazu - sinngemäß: dass er seine Wäsche weiterhin auf der Wäscheleine und nicht online aufhänge. Selbst auf unangenehme Situationen, wo andere vor ausweichen, ging er munter drauf zu und begegnete ihnen mit verblüffendem Witz.

Wer ein Anliegen hatte, das er mit sich herumtrug, fand bei Karl-Friedrich ein offenes Ohr.

Er stand den Menschen, die ihn brauchten, zur Seite und zur Hilfe.

Seine Persönlichkeit konnte gegensätzliche Pole in sich vereinen.

Karl-Friedrich war Waldecker und Weltenbürger.

Er suchte Heimat bei seinen Wurzeln und ebenso in der Weite der Welt.

Zeit seines Lebens blieb er in Waldeck wohnen und hat ebenso einiges von dieser Welt gesehen, v.a. auf seiner großen Reise von Indien nach Amerika.

Weil er aufgeschlossen war für das, was ihm im Leben begegnete, lernte er viel und wußte er auch viel. Er sprach fließend Englisch und war auch im Französischen versiert. So war ich davon ausgegangen, dass er studiert hatte. Ein Studierter war er wohl, aber sein Studium machte er nicht auf der Universität, sondern auf der Schule des Lebens.

Das Entscheidende in seinem Leben aber waren die Begegnungen mit Menschen, die ihm zu Freunden wurden. Hier in Waldeck und auf seinen Reisen.

Mit Freunden zusammen zu sein, den Grill anzuwerfen, Musik dabei zu hören, das was Karl-Friedrichs zu Hause, ob in Rhoden oder woanders in der Welt.

Karl-Friedrich war gesegnet, und er hat es wahrscheinlich nicht einmal gewusst. Auf jeden Fall hat er sich nichts darauf eingebildet. Woher ihm der Segen zuteil wurde, bleibt ein Geheimnis, das in Gott begründet ist.

Was mich beeindruckt, ist der Umstand, dass Karl-Friedrich trotz der vielen Schwierigkeiten, denen er als Kind und Jugendlicher ausgesetzt war, die segensreiche Seite seines Leben ergriff und etwas daraus machte.

Zu verdanken hat er dies gewiß im wesentlichen seinem Großvater, der für ihn als Kind und Jugendlicher, und auch später während seiner Tätigkeit in Berndorf, eine seiner wichtigsten Bezugspersonen war. Wann immer möglich, nahm sich der Großvater Zeit für ihn. Sie gingen früh morgens in den Wald und machten am Wochenende Ausflüge.

Als eine Geste des Dankes erfüllte Karl-Friedrich seinem Großvater einen lang gehegten Wunsch und nahm ihn im Alter von 76 Jahren mit nach Paris

Geplant hatte Karl-Friedrich eine solche Reise auch mit seiner Mutter. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Er hat nun eine Reise angetreten, die ihn in ungekannte Weiten führt, unfassbar uns, die wir noch in den vielen Begrenzungen des Irdischen leben.

Ich glaube und bin überzeugt, dass er in Jesus Christus unbegrenzte Weite und Nähe zugleich findet. Denn beides ist vereint in Jesus Christus: er hat als Mensch gelebt und das leibliche Leben geliebt, aber auch gelitten daran. Und er hat die Grenzen des Todes und alle Angst überwunden und eine Erlösung gebracht, die den Kosmos mit all seinen Geschöpfen aufatmen lässt und neues Leben schenkt.

Karl-Friedrich ist nicht mehr unter uns. Aber die helle Lichtspur, die er in die Landschaft seiner Freundschaften legte, scheint unter euch. Erhaltet den warmen Schein seiner Liebe in euch und unter euch und seid euch ein tröstender Beistand. Dies wird ganz im Sinne von Karl-Friedrich sein.

Und der Frieden Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne, in Christus Jesus. Amen.

Urnenbestattung - Karl-Friedrich Tuschhoff
19.03.05 - Neuer Friedhof

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe kommt von Gott dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Karl-Friedrich Tuschhoff ist tot. Unverhofft starb er in der Nacht von Montag auf Dienstag vergangener Woche. Sein Gesicht trägt die Züge des Friedens. Wir hoffen für ihn, dass er nicht leiden und sich ängsten musste, sondern im Vertrauen friedlich eingeschlafen ist.

Wir sind versammelt, um ihn mit unserer Andacht und unserem Gebet auf seinem letzten Weg zu geleiten und Trost in Gottes Nähe und gütigem Wort zu finden.

Musik: Imagine

Ich bete mit Worten des 31. Psalms

Neige dich zu uns, Gott, in deinem Erbarmen.

Weiter mit Gebet.

Ich lese aus der Bergpredigt Jesu die Seligpreisungen

Wegweiser des Friedens und der Liebe

... Amen

Lied 599, 1-3

Predigt

Musik

Ankündigung Rosengarten

Gebet