Karl Tuschhoff
19.04.2009

Wolfgang Neuss: Der, der Ernst mit dem Spaß machte!

ZUM 20. TODESTAG DES MANNES MIT DER PAUKE

Gerhard Wenzel
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Veröffentlicht in Melodie & Rhythmus (Ausgabe 05/09):

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Wer den Mann mit der Pauke nicht kennt wird sich denken, dass ab einem gewissen Alter viele Männer eine „Pauke“ haben. An dieser Stelle hätte Neuss all denen, die diese Doppeldeutigkeit nicht verstanden und nachgefragt hätten, wahrscheinlich beschieden, dass er „Witze nicht erklären würde, weil das die Pointe nicht mag!“

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Wir klären dennoch auf! Die Pauke, also die Trommel, war das Markenzeichen des brillanten, scharfzüngigen und wohl auch streitbarsten Künstlers in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands, mit der er seinem Publikum seine treffsicheren Pointen und Sichtweisen regelrecht einpaukte. Legendär sein Auftritt in einer Talkshow mit Richard von Weizsäcker im Jahre 1983, in der der passionierte Fußballer den damaligen, designierten Bundespräsidenten wortgewaltig ins Abseits laufen ließ. Über vier Jahrzehnte lang kommentierte er im Stile eines politischen Feuerspuckers die bundesdeutsche Wirklichkeit und lieferte dabei Sternstunden des politischen Kabaretts. „Neuss legte sich an und er legte sich fest!“

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Bevor er als zahnloser, kiffender „Gag-Guru“ im Mai 1989 verstarb und es von nun an „No Noise“ hieß, hatte der Nonkonformist ein Leben voller zumeist selbst gewählter Gegensätze verbracht. Er war berühmt, ob als Playboy in den 50ern, als Film- und Kabarettstar in den 60er und 70er Jahren. Seit den 80er Jahren war es dann sein erklärtes Ziel, in die Anonymität überzugehen. Sein blitzgescheiter Intellekt, wie auch die Konsequenz mit der er seine Ziele verfolgte, ließen ihn zu einer der interessantesten Persönlichkeiten der bundesdeutschen Zeitgeschichte werden.

Anlässlich seines 20. Todestages sind nun zwei Doppel-CD´s erschienen. „Neuss Total“, ein Porträt, das die Karriere und das Lebens des Künstlers vom „ambitionierten Komiker“ bis hin zum „politisierten Clown“ im Stile eines Hörbuches Revue passieren lässt, sowie der Live-Mitschnitte der Programme „Serenade für Angsthasen“ und „Zwei Berliner in Paris“, die er gemeinsam mit Wolfgang Gruner bestritt.

Fazit: Ein zeitgeschichtliches Tondokument mit hohem Suchtfaktor!